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Weltrangliste Flurförderzeuge 2003/2004

Die Talsohle verlassen

Das Geschäft mit Flurförderzeugen ist ein zyklisches Geschäft. Waren die ersten beiden Jahre des neuen Jahrtausends vom Nachfragerückgang und folglich vom Preisverfall bei den Flurförderzeugen gekennzeichnet, so scheint es jetzt wieder aufwärts zu gehen. Aber die Krisenjahre haben Spuren hinterlassen, die noch nicht beseitigt sind. Von Dr. Walter Rödig und Wolfgang Degenhard.

Nach Schätzungen des US-amerikanischen Unternehmens Nacco wurden 2003 weltweit 577000 motorisierte Flurförderzeuge abgesetzt. Ein Jahr zuvor waren es 544000 Geräte. Bei diesen Zahlen, die sich in etwa mit unseren Ermittlungen decken, und bei der Fülle von Herstellern solcher Produkte kann man schon mal die Übersicht verlieren. Deshalb legen wir alljährlich die Fortschreibung der Original Weltrangliste der Hersteller motorisierter Flurförderzeuge vor. Sie erscheint in diesem Jahr zum 24. Mal und ist in bewährter Weise aufgebaut: Von den weltweit größten Herstellern zeigen wir tabellarisch deren Umsätze im Gesamtkonzern und den Teil mit motorisierten Flurförderzeugen sowie deren Mitarbeiterzahlen für die letzten fünf Geschäftsjahre immer bezogen auf das Ende des jeweiligen Geschäftsjahrs. Kommentare zu den einzelnen Unternehmen mit den wichtigsten Ereignissen ergänzen die Darstellungen.

Die Bedeutung Chinas.

Die zuvor genannten Zahlen abgesetzter Geräte entsprechen einem Wachstum im Jahr 2003 von rund 6 Prozent. Und dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: die Wiederbelebung des USA Marktes und vor allem die (etwas überhitzte) Nachfrage in der Volksrepublik China. Bei diesem Land geht es nicht so sehr um Importe aus anderen Ländern, sondern vielmehr um die Fertigung vor Ort. Die Produzenten sind vor allem Töchter großer ausländischer Firmen wie die Linde Tochter in Xiamen, die Toyota Tochter in Schanghai oder die Jointventure Gründungen von TCM in Hefei in der Provinz Anhui und von Nissan in Hangzhou.
Wie es scheint, hat die Branche die Talsohle der beiden Vorjahre verlassen. Es scheint wieder aufwärts zu gehen. Das bezeugen auch die Zahlen der ersten neun Monate des Jahres 2004. Aber die Krisenjahre haben 2003 Wunden hinterlassen, die nur teilweise oder gar nicht vernarbt sind. Dies macht sich besonders beim Rückgang oder gar Einbruch der Erträge bemerkbar. Und noch etwas darf nicht übersehen werden: Bei mehreren Firmen liegt der Exportanteil bei weit über 50 Prozent des Umsatzes. Das kann man durchaus positiv bewerten, bringt aber unter Umständen finanziell schwächere Firmen durch Konjunkturschwankungen in Schwierigkeiten. Zudem führt die große Exportlastigkeit häufig zur Verlagerung der Produktion ins Ausland

Von der Expansion zur Reform

Wenn wir etliche Jahre zurückblicken, hat sich die Branche der Flurförderzeuge oder der Industrial Trucks, wie diese Geräte im Amerikanischen genannt werden, mit wenigen Ausnahmen immer nach oben entwickelt. Dies gilt für die Auftragseingänge, die Umsätze, die Beschäftigungszahlen und schließlich auch die Erträge. Es entstanden neue Fabriken, die Produktionsund die Absatzzahlen wurden immer größer. Diese nicht enden wollende Situation hielt an bis zum Anfang des neuen Jahrtausends. Plötzlich gab es eine Überproduktion, für die keine Nachfrage mehr vorlag. So kam es in den Jahren 2001 und 2002 zum Absatzstau und zum Verfall der Preise. Da die Wiederbelebung der Wirtschaft länger als erhofft auf sich warten ließ, gerieten vielfach jene Firmen, die nicht rechtzeitig in Zeiten guter Konjunktur Vorsorge getroffen hatten, in Turbulenzen.
Viele Unternehmen sahen sich gezwungen, durch Schließung oder Veräußerung von unrentablen Betriebsferien Kapazitäten zu reduzieren. Andere haben durch geschickte Erwerbungen und/oder Reorganisationen die Krise gemeistert. Dafür einige Beispiele: Linde hat Ballast abgeworfen und sich vom weniger rentablen Geschäftsbereichs Kältetechnik getrennt. Jungheinrich hat ebenfalls Ballast abgeworfen, das heißt, den Steinbock Vertrieb abgeschafft, den Produktionsbetrieb in England geschlossen, die Produktion nach Moosburg verlagert und MIC in Frankreich zugemacht. Toyota hat rechtzeitig BT erworben und außerdem 2003 eine Produkterweiterung um Hubarbeitsbühnen der Aichi Corporation vorgenommen. Nacco hat die Bereiche Entwicklung, Fertigung und Vertrieb reorganisiert und steht jetzt gut auf den beiden 'Beinen' Yale und Hyster. Kone hat einerseits die Partek Gruppe erworben und andererseits Bereiche verkauft, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Bei Clark hingegen, jahrelang Leitfirma des Gabelstapler Erfolgs, wurden nach Expertenmeinung zu viele Managementfehler gemacht. Das Unternehmen scheiterte und versucht derzeit einen Neuanfang.

Explizit erwähnt werden soll noch die italienische Firma Fantuzzi Reggiane. Die überwiegende Mehrheit der Flurförderzeughersteller ist sehr daran interessiert, in die Weltrangliste aufgenommen zu werden und dort auch zu bleiben. Nicht so Fantuzzi Reggiane. Mehrere Jahre hatten wir es als Chronistenpflicht angesehen, das Unternehmen mit geschätzten Werten über Wachstumsindizes in der Liste zu führen. Jetzt teile man und schrift das Desinteresse mit. Folglich haben wir den italienischen Lieferanten aus der Tabelle eliminiert.

Quelle: dhf 12 / 2004 Sonderdruck

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